Ki und Aikido Hechingen

Termine

Weihnachtsfeier: Mittwoch, 19.12.2018 19:00 Uhr
Oshōgatsu Training (Neujahrstraining): Mittwoch, 2.1.2019 19:00 Uhr

Ronchamp 2018

Vom 16. bis 18. März fand dieses Jahr der Lehrgang mit Doshu Yoshigasaki in Ronchamp statt. Wie üblich begann der Lehrgang am Freitagabend und endete am Sonntagmittag um die Mittagszeit.

Es waren wie immer die Clubmitglieder aus Ronchamp, Beaucourt und Belfort, sowie Gäste aus Belgien, der Schweiz und aus Deutschland auf der Matte. Aus dem Tessin kamen Yvette und Bernhard, aus Baden-Württemberg Yves und Michael, die aber gleich am Samstag nach dem Morgentraining wieder zurückkehren mussten. Aus der Nähe von Nancy kam wie letztes Jahr Eric, der nicht sehen kann. Dadurch ging Sensei immer wieder auf Einzelheiten ein, die für blinde Aikidoka wichtig sind undauf die sehende Aikidoka selten achten.
Insgesamt stellte das Seminar an die rein physische Kondition keine allzu hohen Ansprüche. Das lag einmal daran, dass sich eine große Zahl alter Recken auf der Matte tummelte und auch weil Sensei ein neues Konzept zum Verständnis der Aikidotechniken präsentierte und üben liess.

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Sensei unterscheidet zwischen Technik und Technologie (jedenfalls in Französisch, Englisch und Italienisch). Techniken sind Handlungen des Menschen, Technologie sind Abläufe mit Material d.h. mit Maschinen.
Weiter unterscheidet er zwischen Akt und Aktion (act – action, atto – azione). Ein Akt ist ein Teil einer Handlung, d.h. einer Aikidotechnik. Nach jedem Akt lässt sich entscheiden, wie es weitergehen soll. Eine Aikidotechnik ist ein Ablauf von mehreren Akten. Obwohl die Akte für sich weniger genau definiert sind ergibt sich durch deren Verbindung eine präzise Technik.
So liess Sensei verschiedene einfache Angriffsituationen und dazu passende Akte üben wie katatedori, ryotemochi, yokomenuchi, die dann zu Techniken wie ikkyo irimi und tenshin, shihonage oder koteoroshi wurden.

Das Konzept ergänzt offensichtlich die 4 Regeln für Aikido im wirklichen Leben, die wir schon kennen.
Am Samstag legte Christoph seine JODEN- und André seine OKUDEN-Prüfung ab. Daher ging Sensei auch wieder sehr genau auf die Kenkotaiso ein. Die Übung zum Beugen bzw. Strecken der Knie ergänzte er durch Sprungübungen seitwärts. Am Sonntag liess er Yvette Aikitaiso vorführen und verfeinerte die Erklärungen mit weiteren Sprungübungen vor- und zurück für die ikkyo zengo undo.
Da in Ronchamp bisher wenig Misogi praktiziert wurde, nahm er sich auch dieses Thema vor. Die Lautfolge TO-HO-KA-MI E-MI-TA-ME hat keine Bedeutung bzw. wenn jemand Bedeutung dorthinein interpretiert, ist sie für uns nicht wichtig. Es ist ein KOTODAMA (言霊), d.h. eine Wort-/Lautfolge deren Klang wichtig ist. Vgl. dazu auch den Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Kotodama . Sensei bestritt ausdrücklich eine magische Wortbedeutung des Kotodama, wie es z.B. in der Kabbala vorkommt.
Diese Art Misogi wurde zuerst in einer religiösen Gruppierung in Japan praktiziert und war wohl mit dem Chanten vergleichbar, dem Absingen von Mutras. Es wurde dann vor etwa 150 Jahren von einem Samurai entdeckt und für die Ausbildung junger Samurai angepasst.

In diesem Zusammenhang ging Sensei auch auf die tatsächliche Bedeutung von Shin Shin Toitsu (心身統一) ein. Bisher wurde es immer als „Einheit bzw. Vereinigung von Geist und Körper“ übersetzt. Der Autor vermutet, dass dies in der ersten englisch-amerikanischen Übersetzung begründet liegt, dort wird das erste shin (心) mit „mind“ übersetzt. Im Japanischen bedeutet es allerdings „Herz“. Laut japanischer Tradition spielt der Verstand laut Sensei zunächst keine große Rolle, wichtig sei die Beziehung zwischen Herz (Emotionen, Gefühle) und Körper (身).
Überhaupt entstehen viele Erklärungen in Senseis Unterricht aus den Unterschieden zwischen der japanischen und den europäischen Sprachen, und bei letzteren aus den Differenzen zwischen den romanischen Sprachen Französisch und Italienisch und den germanischen Deutsch und Englisch. So lässt sich leicht beobachten, welch unterschiedliche Konzepte in den verschieden Sprachen existieren und wie sie sich in der Aikidopraxis widerspiegeln.

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Der Lehrgang in Ronchamp war von dem „alten Hasen“ Pierre Cornu wieder gut organisiert, seien es die Mahlzeiten im Le Rhien oder das obligatorische Karpfenessen am Samstagmittag chez Bruno.
Vielen Dank an die Aikidoka aus Ronchamp, der nächste Lehrgang mit Sensei findet im März 2019 an gleicher Stelle statt.
Vgl. auch den interessanten Bericht von Jean-Paul https://kinokenkyukai.wordpress.com/ auf Französisch.

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