Besuch des KamiDojo in Bali im April 2026

Gastfreundschaft und Präzision: Trainingsbericht Stefan im Kami Dojo, Jimbaran.

Ein Besuch auf Bali bietet nicht nur landschaftliche Schönheit und exotisches Essen, sondern auch die Gelegenheit, Aikido in einer reinen und ursprünglichen Form zu erleben. In der vergangenen Woche hatte ich das Vergnügen, gleich zweimal am Training im Kami Dojo in Jimbaran teilzunehmen und einen Einblick in die dortige Praxis zu erhaschen.

Training 1 - Donnerstag: Fokus auf die Grundlagen

Den Auftakt machte das Training am Donnerstag, das ich gemeinsam mit Linus besuchte. Unter der Leitung von Senpai Rai trainierten wir in einer Gruppe von insgesamt sechs Aikidoka. Es war auch ein Besucher eines Dojos aus Jakarta zu Gast, mit dem ich sofort ein gutes Verhältnis im Training hatte. Das Thema der Einheit waren waffenlose Techniken. Hier zeigte sich bereits die klare Linie des Dojos: Präzise Aikikai-Techniken, die ohne viele Worte, dafür mit umso mehr Fokus auf die Bewegung vermittelt wurden. Der Lehrstil folgte der klassischen Tradition – zusehen, fühlen und ohne viele Worte direkt in die Umsetzung gehen. Trainiert wurden die Basistechniken Shomenuchi-Iriminage, Shomenuchi-Ikkyo, Shomenuchi-Shihonage sowie Tsuki-Koteoroshi. Jede Technik wurde direkt in allen Omote-Ura Varianten ausgeführt.

Dienstag: Schnelle Messer-Entwaffnung anhand exemplarischer Tanto-Techniken

Am darauffolgenden Dienstag kehrte ich alleine auf die Matte zurück. Linus blieb Abends lieber am Pool. Dieses Mal leitete Sensei Donny persönlich das Training. Auch an diesem Abend war die Gruppe mit vier weiteren Dojo-Mitgliedern angenehm konzentriert. Im Mittelpunkt standen Tanto-Techniken (Messerabwehr). Die Intensität und die Exaktheit, mit der Sensei Donny die Entwaffnungen demonstrierte, waren beeindruckend und forderten die volle Präsenz aller Beteiligten. Er begann mit Yokomenuchi-Gokyo und -Shihonage, und ging dann über zu Tsuki-Ikkyo und Koteoroshi, bis zu enigen spezielleren, direkten Techniken ohne spezielle Namen, die für die schnelle Entwaffnung auf der Straße geeignet sind.

Stilistische Beobachtungen zur Praxis

Was mir bisher bei allen anderen Aikido-Stilen, bei denen ich teilnehmen durfte, aufgefallen ist, ist der deutliche Unterschied zum Ki-Aikido bei den "Aufwärm"-Übungen. Eine genau festgelegte Reihenfolge von Kenkotaiso, Aikitaiso sowie Kokyuho und Meditation gibt es meist nicht. Es wird direkt mit körperlicher Erwärmung (Jumbi Taiso) gestartet, oft mit Yoga-Elementen wild gemischt.

Besonders interessant war der direkte Vergleich der technischen Ausführung. Die Techniken im Kami Dojo sind deutlich direkter als beispielsweise im Ki-Aikido. Es wird verstärkt mit Atemi gearbeitet, was der Praxis eine sehr reale, wehrhafte Komponente verleiht.

Auffallend war zudem die konsequente Deckung: Sowohl Uke als auch Nage behalten nach der Initiierung der Technik beide Hände (mit Kontakt) oben, was die Aufmerksamkeit und den Schutzgeist während des gesamten Bewegungsablaufs hochhält.

Fazit: Gelebte Harmonie und Effizienz

Was diesen Besuch neben der technischen Qualität besonders auszeichnete, war die außergewöhnliche Gastfreundschaft. Sowohl Sensei Donny als auch Senpai Rai hießen uns herzlich willkommen und ließen uns sofort und selbstverständlich als Teil ihrer Gemeinschaft fühlen.

Für jeden Aikidoka, der auf Bali weilt, ist das Training im Kami Dojo eine absolute Empfehlung. Hier wird die Kunst so praktiziert, wie sie sein sollte: direkt, schnörkellos und mit einem tiefen Verständnis für die Bewegung.

Domo Arigato Gozaimashita an Sensei Donny, Senpai Rai und die gesamte Gruppe!